4. Juni 2013

Skeuomorphismus

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Skeuomorphismus. Skeu|o|mor|phis|mus. Was vielleicht schon beim Lesen Schwierigkeit bereitet und auf Anhieb kaum flüssig auszusprechen ist, beschreibt einen Gestaltungsstil, der die Materialoptik und Oberflächenstruktur des Originals imitiert. Diese Imitate begegnen uns in der digitalen Welt in der Form von gegenständlichen Icons, texturierten Buttons und grafischen Benutzeroberflächen. Bekannte Dinge aus der Alltagswelt, die dem Anwender komplexe Technik und nicht sichtbare Softwareprozesse anschaulich und verständlich machen.

Design aus einer anderen Zeit

Dabei scheinen gerade im Softwarebereich die Zitate aus der analogen Welt längst überholt. In einer digital durchdrungenen Welt, in der die meisten von uns täglich mit digitalen Schnittstellen interagieren, mag das nicht mehr so richtig passen, zumal manche grafischen Objekte derart antiquiert sind, dass sie jüngeren Menschen gar nicht mehr bekannt sein dürften. Wer verwendet zu Hause noch Tonbandgeräte oder Ordnermappen wie sie auf dem virtuellen Schreibtisch liegen? Zu Beginn der neuen Medien sorgten die pseudo-realistischen Bedienelemente beim Nutzer für Vertrautheit und intuitive Bedienung. Revolutionär seinerzeit die grafische Schreibtischoberfläche von Apple Macintosh, deren Optik stetig an Plastizität gewann und bisweilen – mit Einführung der rund-bunt-bewegten Aqua-Optik – nah an der Grenze zur Kitsch-Ästhetik lag.

Minimalismus kontra Skeuromorphismus

Seit einiger Zeit formiert sich nun allerdings eine Gegenbewegung. Statt plastischem Design mit viel Schein und Glanz ist das »Flat Design« angesagt. Minimalistische Ästhetik mit flächiger Formensprache und homogenen Farbflächen. Immer mehr Websites und Software-Anwendungen erscheinen in der ressourcensparenden Flachoptik. Prominentestes Beispiel: Microsofts aktuelles Betriebssystem für mobile Geräte »Windows 8«. Das wurde sogar kürzlich von Londons Design Museum zum »Design of the Year« in der Kategorie »Digital« gekürt. Demnächst wird sich wohl auch Apple vom Pseudorealismus verabschieden. Ein flaches Design, Codename "Innsbruck", ist bereits auf dem Weg.

Zeigt sich nun künftig alles »entskeuomorphisiert«? Wohl kaum, denn das würde in radikal gedachter Konsequenz jeglichen Verzicht auf Plastizität bedeuten, also Design ohne Schatten und Verläufe. Eine wohl dosierte Kombination aus beiden Designansätzen, unter Berücksichtigung der Maxime »weniger ist mehr«, dürfte hier wohl der beste Weg sein.

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